Biografie

Martín J. Bascuñana wird am 27. August 1969 auf Mallorca als Kind einer aus Alcudia stammenden Familie geboren. Unter Anleitung seines Großvaters väterlicherseits macht er mit acht Jahren seine ersten Schritte in der musikalischen Welt. Einige Monate nach dessen Tod im Jahr 1979 setzt er seinen Klavier- und Solfège-Unterricht fort, um schließlich im Konservatorium von Palma de Mallorca aufgenommen zu werden, wo er seine Studien fortführt. Im Laufe seiner Karriere achtet er auf eine profunde Ausbildung bei den besten Lehrern in den Disziplinen, in denen er tätig ist: am Klavier arbeitet er auch heute noch, wenn auch nicht mehr so häufig, mit Suzanne Bradbury zusammen und nahm Unterricht bei Joan Moll und dem am Konservatorium beschäftigten Miguel Estelrich. Er geht auf die Stuttgarter Musikhochschule, wo er einige Monate lang vom Pianisten und Professor für Korrepetition, Harry Pleva, beraten wird. Jener sagt ihm eine vielversprechende Zukunft im Bereich der Orchesterleitung voraus und berät ihn auch auf Mallorca weiter.

Später dann in Griechenland kommt er zum ersten Mal auf akademischer Ebene mit der Leitung eines Orchesters in Berührung. Die Theorie wird ihm auf höchstem Niveau vermittelt, während er die Praxis durch die tägliche Leitung des Orchesters kennenlernt. Dabei steht ihm Dmitri Agrafiotis zur Seite, ein renommierter Dirigent und Dirigentenausbilder, der in seiner Jugend von Wiemberger, Scherchen und Herbert von Karajan, drei zentralen Persönlichkeiten in der Welt der Orchesterleitung, unterrichtet wurde. Bascuñana lernt von diesem Mann nach eigenen Angaben alles, was man nicht auf einem Konservatorium lernt, sowie viele Dinge, bei denen man eine jahrelange Praxis benötigt, um sie zu entdecken, kennenzulernen, zu analysieren und zu lösen. Er dirigiert in Griechenland das Plowdiwer Sinfonieorchester und besucht die Städte Thessaloniki, Vertiskos und Athen. In der Hauptstadt nimmt er das Studium und die Analyse symphonischer Werke beim Maestro Agrafiotis wieder auf. Martin Bascuñana sagt immer, dass er neben seinem Großvater, der der Funken gewesen sei, der die Flamme entzündet habe, zwei musikalische Väter im Bereich der Orchesterleitung gehabt habe: einer davon ist Maestro Agrafiotis.

Danach begibt er sich an die Musikhochschule in Wien, wo er vom großen Maestro Karl Österreicher, der wenige Monate später verstarb, angeleitet wurde. Er bleibt in Wien und besucht als Gasthörer den Dirigenten-Unterricht von Uros Lajovic und Leopold Hager. In Bezug auf die gestische Vermittlung beim Dirigieren eines Orchesters tauscht er sich nach seiner Zusammenarbeit mit dem Maestro Agrafiotis in Griechenland mit Laszló Kóvaks in Budapest aus. Von diesem großen Maestro erhält er nicht nur ausgezeichnete Ratschläge in dieser Hinsicht, sondern darf mit dessen Erlaubnis auch an Proben des Symphonieorchesters des Budapester Radios teilnehmen, das von Tamas Vásary geleitet wird.

Nach einem Aufenthalt in Santiago de Chile aus musikalischen Gründen lernt Bascuñana die Person kennen, die er als seinen zweiten Vater im Bereich der Orchesterleitung bezeichnet: den in Madrid ansässigen Maestro Cullell. Dieser besitzt eine umfangreiche Erfahrung sowohl beim Dirigieren von Orchestern in aller Welt als auch als erste Geige unter der Leitung der weltbesten Dirigenten der zeitgenössischen Geschichte der Orchesterleitung in der Nachkriegszeit. Seither ist Cullell sein menschlicher und musikalischer Bezugspunkt. „Man findet schwerlich jemanden mit seiner Herzlichkeit, Fachkenntnissen und Großzügigkeit“ meint Bascuñana.

Bascuñana hat mehrmals beim traditionellen Concert de Torrent de Pareis im Kulturzentrum als Gastdirigent die Camerata Sa Nostra sowie in der Kathedrale und im Konzertsaal von Alcudia die Krönungsmesse KV. 317 von Mozart mit dem Chor Capella Mallorquina und die Symphonie 29 des Salzburger Komponisten dirigiert. Sein Repertoire als Orchesterdirigent ist umfangreich und umfasst Werke von Johann S. Bach über Vivaldi, W. A. Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Elgar, Respighi, Vaughan, Grieg, Strawinsky, Tschaikowsky, Verdi, Rossini, Bizet, Sibelius und Benjamin Britten bis zu Schostakowitsch. Dies bezieht sich nur auf die von ihm tatsächlich dirigierten Werke. Denn sein Repertoire enthält auch einstudierte Werke von Komponisten wie Mahler, Haydn, Händel, R. Strauss, Johann Strauss, Débussy, Ravel, Bruckner, Brahms, Schönberg und vielen anderen mehr, die bis zum 21. Jahrhundert reichen.

Martín J. Bascuñana leitet seit mehr als 20 Jahren auch Chöre, hat aber im Jahr 2004 entschieden, diese Etappe in seinem Leben abzuschließen und sich dem Dirigieren und der Vermittlung seiner Kenntnisse als Gastdirigent zu widmen, wie z. B. in Konzerten mit der Capella Mallorquina, der er wegen ihrer Professionalität, Hingabe und ihres Leiters José Mª Moreno, der zu seinen Freunden zählt, großen Respekt zollt. Er hat für den Staatlichen Spanischen Rundfunk (RNE) als hauptamtlicher Chorleiter Chöre in ganz Mallorca, in Madrid und in Wien geleitet, wo er 4 Konzerte gab. Durch seine Arbeit mit den Chören hat er sich nicht nur recht umfangreiche Kenntnisse über die Stimmstruktur von Werken gleich welcher Epoche angeeignet, sondern ist sich auch der Schwierigkeiten des menschlichen Körpers als Instrument bewusst geworden, die aber mithilfe der Erfahrung immer lösbar sind.

Der am 18. Juli 2011 erstaufgeführte Kurzfilm „Sweet Sadness“ (2011) ist seine erste Arbeit in diesem neuen Lebensabschnitt als Regisseur und Filmmusikkomponist.